Mit seinem Bruder bildet er das legendäre Duo der „Huberbuam“: Im Interview spricht Alexander Huber über die Urangst vor dem Abgrund und unvergessliche Momente.
Alexander, heute schon geklettert?
Heute noch nicht, es regnet leider. Aber die nächsten Tage sollen schön werden. Dann bin ich so sechs bis acht Stunden am Tag im Klettergarten und bei alpinen Touren geht es sowieso von früh bis spät.
Was treibt dich in die Wand?
Das ist jetzt eine basisphilosofische Frage, oder?
Wie du meinst …
Beim Bergsteigen hat man diesen Überblick. Man sitzt auf dem Gipfel und schaut runter und steht buchstäblich über den Dingen. Außerdem will ich draußen sein, mich einer gewissen Gefahr aussetzen und meine mentale Kraft dagegensetzen. Ich will meinen Arsch in Gefahr bringen und anschließend wieder rausholen.
»Ich will meinen Arsch in Gefahr bringen und anschließend wieder rausholen.«
Alexander Huber
Was reizt dich so sehr an der Gefahr?
Wir können nur wachsen, wenn wir uns unseren Ängsten stellen. Die Angst vor dem Absturz, das ist die Urangst vor dem Abgrund. Angst ist ein wichtiges Regulativ, um mit Sorgfalt vorzugehen und volle Konzentration auszulösen. Man kann die Angst so intensiv spüren, und hat man sie überwunden, fühlt man sich wahrhaft lebendig, dann hat man einen erinnerungswürdigen Moment in seinem Leben gefischt. Am Ende eines Lebens kommt die Todesanzeige. Da stehen dann Worte der stillen Trauer und der Name und das Alter. Dabei geht es gar nicht um das Lebensalter, sondern darum, ob das Leben reich oder arm war, an Momenten und Erinnerungen.
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An der „Nose“ im Yosemite-Nationalpark bist du mal 20 Meter tief abgestürzt. Was ist das für eine Erinnerung?
Für mich war das ein Betriebsunfall. In der Formel 1 landen die Fahrer doch auch im Kiesbett, oder in der Boxenmauer oder weiß der Kuckuck wo. Es war bislang mein einziger Betriebsunfall, und ab und zu braucht man eben seinen kleinen Schutzengel. Den habe ich in diesem Fall gerne in Anspruch genommen. Aber ich bin kein Hasardeur, der immer kopflos in die Wand hineinrennt. Ich weiß, worauf ich mich einlasse.
»Man darf sich als Mensch nicht überbewerten.«
Alexander Huber
Wenn du dort oben stehst und auf die Berge blickst, die du so sehr liebst: Hast du Angst, dass die Menschen die Natur zerstören?
Die Natur kann nicht zerstört werden. Was wir Menschen mit unserer Erde anstellen, das interessiert die Natur überhaupt nicht. Und wenn wir den ganzen Planeten verstrahlen … das wird sich auch wieder geben und es wird auch ohne uns weitergehen. Irgendwann geht die Erde sowieso im roten Riesen der Sonne auf und verschwindet spurlos. Dann war alles nur ein kurzes Aufblitzen in der Zeit. Wir können die Natur vielleicht länger erhalten, so wie sie jetzt ist. Aber zerstören können wir sie nicht. Man darf sich als Mensch nicht überbewerten.
Was willst du noch verwirklichen, ehe die Erde im roten Riesen versinkt?
Mal sehen, wir sind kreative Geister …
Und wen sollen die Leute in Erinnerung behalten?
Alexander, den Bergsteiger.
Interview by Axel Rabenstein, published in TOPTIMES 3/2007
Alexander wurde gemeinsam mit seinem Bruder Thomas als Kletter-Duo „Huberbuam“ weltberühmt. Spektakulär Ihr Speed-Rekord (2007) an der Nose des El Capitan im Yosemite-Nationalpark. Geübte Seilschaften benötigen für die 1.000 Meter hohe Felswand mehrere Tage, die beiden Brüder schafften es in 2:45:45 Stunden. Zuletzt sorgte Alexander Huber mit weltweiten Expeditionen in Patagonien und im Karakorum sowie mit der Eröffnung neuer Kletterrouten für Aufsehen.
Photos: Heinz Zak, Michi Meisl, Timeline Productions / adidas; Huberbuam; Alamy

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